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3. Hanauer Naturkundetage, Schwerkpunktthema Auen

Die von der Wetterauischen Gesellschaft veranstalteten 3. Hanauer Naturkundetage befassten sich mit den Themen Auenentwicklung, Klimawandel, Hochwasser- und Naturschutz. Neben einem Vortragstag am 9. April 2016 gab es drei Exkursionen am 10., 16. und 30. April. Das detaillierte Programm kann im Flyer eingesehen werden. Zudem wird, an einem noch festzulegenden Wochenende im Herbst, eine Exkursion zum Thema Vogelzug stattfinden.

Die mit den Naturkundetagen verbundenen Aktivitäten möchten dazu beitragen, Wissen und Verständnis über naturräumliche Zusammenhänge am Beispiel unserer heimischen Auen zu fördern und deren praktische Relevanz zu vermitteln. Die Veranstaltungen und der Themenband sollen dazu anregen, die Bedeutung eines ökologisch sehr wertvollen Ökosystems in unserer Umgebung näher zu erfassen und sich für dessen Erhalt einzusetzen.

Zu den einzelnen Veranstaltungen können Bilderserien betrachtet werden. Die Namen der Fotografen sind in den Bildtexten angegeben: WO = Wolfgang Ott, ER = Edda Rose, GS = Dr. Günter Seidenschwann und SW = Stefan Wehr. (Text- und Bildredaktion: Wolfgang Ott)

 

Vortragstag am 9. April 2016

Ein umfangreiches Vortragsprogramm fand von 9 bis 17 Uhr im Umweltzentrum der Stadt Hanau statt. Die Räume, in denen die Vorträge erfolgten sowie die Poster-Präsentationen angebracht waren, waren entgegenkommender Weise vom Umweltzentrum zur Verfügung gestellt worden. Dessen stellvertretende Leiterin Erika Emmerich begrüßte zunächst die 52 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Referenten.

Die fünf mit zahlreichen Bildern veranschaulichten Vorträge fanden großes Interesse, was auch viele Fragen der Zuhörenden und teils kontrovers geführte Diskussionen belegen. Entfallen waren die beiden Vorträge zum Ruhlsee und zum Bärlauch. Durch ständigen Kaffeenachschub sowie weitere Getränke und Gebäck im Umweltzentrum und die Einkehr in einer benachbarten Gaststätte in der Mittagspause war auch für das leibliche Wohl während der Veranstaltung gesorgt. Die vom Verein angebotenen Schriften erfreuten sich einer regen Abnahme: Neue Besitzer fanden der Sonderband "Frühling in der Bulau“ (2008) sowie die Themenbände „Spessart“ (2014) und „Auen“ (2016) – letzterer konnte an diesem Vortragstag zu einem Sonderpreis erworben werden.

Den gut besuchten Abendvortrag von Prof. Dr. Hans-Rudolf Bork, Ökozentrum der Universität Kiel, verfolgten etwa 80 Personen im Philipp-Ludwig-Forum der Hohen Landesschule Hanau.

 

Exkursion am 10. April 2016: Fledermäuse, Vögel und Frühlingsflora

Die Exkursion hatte das FFH-Gebiet Hirzwald bei Hanau-Mittelbuchen zum Ziel. Auf einem vierstündigen Rundgang führte Dr. Yvonne Walther, Lieblos, 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch dieses Gebiet. Walther ist als Fledermausspezialistin bei der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) tätig und Mitglied der Wetterauischen Gesellschaft. Ausführlich erläuterte die Exkursionsleiterin ein im FFH-Gebiet existierendes Fledermausquartier. Zudem führte die Route zu einem Krötenzaun neben der Straße und zu einem Teich, in dem unter anderem die hübschen Zwergtaucher beobachtet werden konnten. Auch weitere Vögel sichteten die Teilnehmer im Wald und identifizierten Vogelrufe. Während des Rundgangs konnte zudem die frisch erblühte Frühlingsflora genossen werden.

 

Exkursion am 16. April 2016: Wässerwiesen und Biber im Jossatal

Die von der Naturschützerin und „Bibermutter“ Irmgard Schultheis geführte Exkursion begann am Friedhof von Steinau-Marjoß. Dort erläuterte sie, auch anhand mitgebrachter Folien, den trotz des regnerisch begonnenen Tages erschienenen 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Wirken der vor fast 30 Jahren in der Sinn und Jossa ausgesetzten Biber sowie, zusammen mit ihrem Ehemann Ernst, die Funktionsweise von Wässerwiesen.

Wässerwiesen sind bedeutend für Grundwasserneubildung, Hochwasserschutz und Bewirtschaftung in engen Flusstälern. Was die Bewirtschaftung der Wiesen angeht, verbessert dieses besondere Landnutzungssystem das Kraut- und Graswachstum, verschafft den Pflanzen im Frühjahr durch das im Vergleich mit dem Erdreich wärmere Wasser einen Vorsprung und sorgt durch die organischen und mineralischen Nährstoffe im Wasser für die Düngung.

Als erster Eindruck vom Wirken der Biber im Jossatal konnte unmittelbar in der Nähe des Treffpunktes der einzige im Tal der Jossa heute noch existierende Biberdamm und eine Biber- sowie eine Bisamburg besichtigt werden. Hier erfuhren die Teilnehmer auch von der Bedeutung des Bibers für den Hochwasserschutz: Der kleine Biber-Stausee bremst die Fließgeschwindigkeit der Jossa merklich. Oberhalb des vom Biber erbauten Damms setzt sich eingeschwemmter Auensand und -lehm ab und wird damit nicht weiter flussabwärts transportiert. Damit wird vermieden, dass sich die tiefer gelegene Flussrinne mit Sedimenten auffüllt, wodurch ansonsten Hochwasser begünstigt würde.

Im zweiten Teil führte die Exkursion von Marjoß an der linken Talflanke entlang etwa 1,5 km nach Westen. Dort waren weitere Biberburgen in der Talaue der Jossa in Augenschein zu nehmen. Besonders eindrucksvoll waren die Biberspuren anschließend im Bereich des Tälchens des Distel-Baches zu bestaunen, wo den Teilnehmern ihre Gummistiefel zustatten kamen. Hier haben die Tiere eine regelrechte Stauseetreppe errichtet, die sich vom landwirtschaftlich genutzten Areal bis in den Wald hinein erstreckt. Beeindruckt waren die Exkursionsteilnehmer von den gegenwärtigen Aktivitäten dieser tierischen Architekten und Landschaftspfleger in diesem Biotop: Zu sehen waren hier Biberburg, stabile Staudämme, Fluchttunnel und vor allem die zahlreichen gefällten Bäume, darunter Eichen bis circa 50 cm Stammdurchmesser und angenagte Kiefern ähnlicher Dicke. Nach insgesamt vier Stunden endete die Exkursion am Wohnsitz der Familie Schultheis in Steinau-Marjoß.

 

Exkursion am 30. April 2016: Artenreiche Vogelwelt und Blütenpracht im Auenwald

Über 20 Personen hatten sich zur von Stefan Wehr und Ilse Hoffmann, beide Mitglieder der Wetterauischen Gesellschaft, geführten Exkursion eingefunden. An einem sonnigen Frühlingsmorgen ging es auf einem Rundweg von etwa vier Kilometer durch den Auenwald der Bulau, ein abwechslungsreiches Naturkleinod am Rande von Hanau. Gleich zu Beginn konnte lange ein Wanderfalke beobachtet werden, der von einem Elektromast aus die freie Wiesenfläche vor dem Bulauwald inspizierte. Kaum hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den begradigten Teil der Kinzig hinter sich gelassen, flog ein Eisvogel zwischen den Uferböschungen rasant hin und her. Zudem waren noch viele andere Vogelarten in dem Auenwald zu sehen und zu hören: Meisen, Grasmücken, Specht, Zaunkönig, Waldlaubsänger und Goldhähnchen, um nur einige zu nennen.

Auch die üppige Blütenpracht weckte großes Interesse. Teppiche von blühendem Bärlauch bedeckten den Waldboden und verströmten bei zunehmender Sonnenwärme ihren charakteristischen Knoblauchgeruch. An den Wegrändern fand sich immer wieder die zart fliederfarbene Zwiebelzahnwurz, deren bräunliche  Brutzwiebelchen in den Blattachseln sitzen. Und die Maiglöckchen waren schon kurz vor dem Erblühen. Mit dem Aurorafalter konnte ein für die Jahreszeit typischer Schmetterling beim Besuch einer Blüte beobachtet werden.

Dass die Bulau manchmal wie ein Urwald wirkt, brachte manch einen aus der Gruppe zum Staunen. Derartig unberührt scheinende Natur hatte man in so unmittelbarer Nähe der Stadt nicht erwartet. Es gab so viel zu entdecken, zu hören, zu sehen und von den beiden sachkundigen Exkursionsleitern zu erfahren und zu lernen, dass vier Stunden wie im Fluge vergingen.