Exkursion : Geologische Exkursion in die Umgebung von Kloster Engelthal
Am Sonntag, den 6.9.2009, fand eine geologische Halbtages-Exkursion in die Umgebung des westlich von Altenstadt gelegenen Klosters Engelthal statt. Der Exkursionsleiter, Herr Prof. Dr. Peter Prinz-Grimm, konnte mit 28 Teilnehmern eine überaus stattliche Anzahl Interessierter begrüßen, die sich nicht zuletzt aufgrund der Internetpräsenz der Wetterauischen Gesellschaft an diesem Tag zu dieser Veranstaltung einfanden.
Nach einer fachlichen Einführung in die Thematik mit Hilfe der geologischen Karte 1:25000 Blatt Windecken führte die Exkursion zunächst östlich des Klosters zum tieferen geologischen Untergrund, der hier von feldspatreichen Gesteinen des Rotliegend (Perm) gebildet wird. Das Vorhandensein der verwitterungsanfälligen Feldspäte in den Sandsteinen des Rotliegend zeigt, dass während der Ablagerungszeit überwiegend wüstenhaftes Klima herrschte. Daher sind diese überwiegend als Flussablagerungen überlieferten Sedimentgesteine fossilienfrei. Nur in feuchten Zeiten war damals in Niederungen und Senken Pflanzenwuchs möglich, wie wir im vergangenen Jahr in einem Rotliegendsteinbruch bei Schöneck-Kilianstädten beobachten konnten. Anschließend wurden am Anstieg zur nördlich davon angrenzenden Erhebung der „Haale“ die Überdeckung der Rotliegendgesteine studiert. Hier folgen sandige Ablagerungen aus dem Tertiär, vermutlich dem Oligozän, über den Rotliegendsedimenten. Diese überwiegend von Flüssen oder in Seen abgelagerten Sande sind fossilfrei. Auffallend ist ihre flächenhafte Verkieselung, die zur Bildung von bis zu meterdicken harten Krusten von sogenannten Braunkohlen- oder Tertiärquarziten führte. Die Ursache für diese enorme Verhärtung der ehemals lockeren Sande ist bis heute nicht im Einzelnen geklärt. Die Quarzite wurden für die Herstellung von steinzeitlichen Werkzeugen (sogenannte Silex-Artefakte) verwendet.
Über den Tertiärsanden hat der Vogelsberg-Vulkanismus seine Ergüsse hinterlassen. Ein ehemaliger Lavastrom ist verantwortlich für einen Steilanstieg am Steinberg westlich des Klosters Engelthals. In einem alten Steinbruch wurden dort die dichten Basaltlagen aus dem mittleren Teil eines ehemaligen dünnflüssigen Lavastromes für den Bau des Klosters abgebaut. Heute sind in dem Steinbruchsgelände noch die unteren blasigen „Lungsteine“ ebenso zu beobachten wie die kompakten mittleren Lagen und die ebenfalls gasreichen, blasigen oberen Partien der Lavadecke. Der Basalt weist ein grobsäuliges Gefüge auf, das durch Schrumpfungsvorgänge bei der Abkühlung hervorgerufen wurde. Die spätere intensive Verwitterung in der nachfolgenden jüngeren Tertiärzeit führte entlang dieser Klüfte zur charakteristischen schaligen Absonderung des Basaltes und in den Säulenkernen zur Ausbildung von sogenannten Wollsäcken.
Am Nordabfall des Steinberges verflacht das Gelände und bildet flächenhafte Ebenheiten im liegenden Tertiärsand. Stellenweise kommen im Wald Vernässungsstellen vor, die durch tonige Partien in den Sanden hervorgerufen werden. Der geringe landwirtschaftliche Ertrag auf diesen Sandarealen in der Gemarkung von Oppelshausen ist vermutlich ein wesentlicher Grund für Umwidmung von Agrarflächen zu einem Golfplatz. Die geologischen Verhältnisse liefern zugleich den Sand für die Sandbunker auf dem Golfareal.
Eine letzte Station führte zu einem Wegeinschnitt im östlich von Oppelshausen gelegenen Wald. Hier liegt der Basalt nicht auf tertiären Sanden, sondern unmittelbar auf Rotliegendschichten. Dies zeigt, dass die Lavaströme des Vogelsberg-Vulkanismus sich auf einer flachwelligen Landschaft ausbreiteten und die als muldenförmige Tälchen vorhandenen Tiefenlinien durchflossen. So blieben die Basaltdecken lange erhalten. Sie bilden heute als „Härtlinge“ verbreitet die höchsten Erhebungen in der Wetterau und im Ronneburger Hügelland. Landschaftsgeschichtlich stellt diese `Reliefumkehr´ ein Kuriosum dar.
Textautor : Dr. Günter Seidenschwann
Nachdem der Vormittag der Geologie gehört hatte, wurde der Nachmittag zu einem spirituellen Erlebnis. Die Benediktinerin Schwester Maria Magdalena vom Kloster Engelthal empfing uns vor der Kirche. Sie erzählte von der Gründung Engelthals als eines Zisterzienserinnenklosters im 13. Jahrhundert und von seiner bewegten Geschichte. Seit 1962 leben hier Benediktinerinnen, zur Zeit 23 Schwestern; die jüngste von ihnen ist 33, die älteste 100 Jahre.
Die Kirche mit barockem Altar, barocker Orgel und dem Chorgestühl ist schlicht. Dieser Teil ist nur den Nonnen vorbehalten. Die Laien sitzen in einem seitlich vom Altarraum angebrachten Anbau, ohne die Schwestern sehen zu können. Hier nahmen auch wir Platz. Vor uns stand Schwester Maria Magdalena und berichtete über das Leben im Kloster, dessen wesentlicher Inhalt die Gottsuche ist. Die Rahmenbedingungen dafür schafft die räumliche und zeitliche Ordnung, die vom heiligen Benedikt geschaffen wurde. Die täglichen Arbeiten und Pflichten sind nach den Fähigkeiten der Einzelnen verteilt. So wird trotz der Unterwerfung unter die Regeln die Individualität geachtet.
Dann bekamen wir den Altar erklärt. Im Mittelpunkt steht ein großes Bild der Himmelfahrt Mariens. In einem kleinen Oval darüber ist die Krönung der Mutter Christi durch den dreifaltigen Gott dargestellt. So wird symbolisch das Wesen Gottes als Liebe sichtbar gemacht.
Am meisten beeindruckte uns alle Schwester Maria Magdalena selbst mit ihrer Gelassenheit, stillen Heiterkeit, Souveränität, mit ihrem Wissen, ihrer Lebensklugheit und ihrem Charme.
Einige blieben noch zur Vesper um 17 Uhr. Lautlos kamen die Schwestern durch eine Seitentür und nahmen in ihrem Chorgestühl Platz. Wir konnten sie nicht sehen, aber hören. In diesem Gottesdienst wird in alten Wechselgesängen gebetet. Die zarten Stimmen der Nonnen, begleitet von leisem Orgelspiel, und die einfache Melodik waren ein bewegender Abschluss dieses Tages.
Textautor: Hilde Weihs



Bildautor:
Dr. Günter Seidenschwann